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Grenzen austesten - das könnte das Motto des 12.HANSE
CUP 2009 gewesen sein. Grenzen in vielerlei Hinsicht: Grenzen der Logistik,
Belastbarkeitsgrenzen von Material und Crew, Zeitgrenzen einer Tagesetappe,
Grenzen der Vernunft, eine Regatta zu starten...
Bei
einem Rekordteilnehmerfeld von 77 Yachten und weiteren Begleitbooten ist
die Ursprungsidee des HANSE CUP, rund Rügen zu segeln und allabendlich
in geselliger Runde kulinarische Highlights zu genießen, an praktische
Grenzen gestoßen. Einer solchen Dimension mit mehr als 300 Personen
sind Partyzelt und Catering kaum noch gewachsen ...und ein Plan B für
den Fall, dass Rasmus außer Kontrolle gerät, ist mit der Infrastruktur
der Insel Rügen wohl kaum noch möglich.
Dieses
Dilemma mag der Regattaleitung an den ersten beiden Tagen schlaflose Nächte
beschert haben. Die logistischen Notwendigkeiten siegten über Sturmwarnungen
und Windprognosen. So starteten am Samstag, 05.09.2009, 77 Hanse-Yachten
im Greifswalder Bodden zur Tagesetappe nach Saßnitz, wohlwissend,
dass am frühen Nachmittag ab Nordperd 30-35 Knoten Wind gegenan zu
erwarten waren. Ist das noch vernünftig? Einigen wir uns darauf,
dass es spätestens ab 36 Knoten sehr unvernünftig gewesen wäre.
Die Bilanz der ersten Wettfahrt zeigt dann auch, dass normal ausgestattete
Fahrtenyachten Materialgrenzen erreichen und bei solchen Windstärken
besser im geschützten Hafen verweilen sollten; es sei denn, ihre
Skipper haben einen guten Draht zu Segelmachern und Riggbauern. Dank Nachteinsatz
der Segelmacher des Greifswalder Yachtausrüsters Wendel & Rados
konnte wenigstens ein Teil der Materialschäden gelindert werden.
Leider
konnte das Flair des Zielhafens Saßnitz und die "kulinarische"
Abendveranstaltung nicht über die Strapazen und Schäden der
ersten Wettfahrt hinwegtrösten. Saßnitz hat sich wohl schon
lange an seinen seemännischen und kulturellen Grenzen festgefahren...
sehr zum Unverständnis der Segler.
Am
zweiten Wettfahrttag ähnliches Szenario. Südliche Ostsee: bis
Mittag West 7, Südwest drehend, später abnehmend 6, Wellen 3
m, Sturmwarnung.
Die
logistischen Zwänge verlangten nach dem Tagesziel Wiek auf Rügen.
Wetterbedingt
dauerten die Startvorbereitungen besonders lange. Nachdem die Regattaleitung
zum wiederholten Mal die Startlinie um 10 m versetzen ließ, lagen
die Nerven nicht nur bei Michael Einfeldt auf seinem "Tonnenleger"
blank, sondern auch bei einigen Crews. "...wenn ihr mit eurer Spielerei
nicht bald aufhört, kommen wir vor Mitternacht nicht in Wiek an...",
so ein entnervter Skipper im Funk. Beifall...vom Winde verweht.
Schon
beim Start vor Saßnitz zeigte sich, dass die Selbstwendefock noch
viel zu viel Tuch hatte und Schüsse in den Wind vorprogrammiert waren.
Außer den Hanse 331 "Gannet" und Hanse 470 "Inspiration"
verfügte keine der noch startenden 69 Yachten über eine Starkwindfock.
Nach überstandener Startkreuz ging es zunächst in der Abdeckung
der Kreidefelsen mit raumen Wind recht vernünftig zu, dann folgte
eine lange Hoch-am-Wind Strecke bis Kap Arkona, danach hieß es Kreuzen
bis zum Fahrwasser nach Hiddensee, teilweise mit 2 Knoten Strömung
und 25 bis 30 Knoten Wind gegenan. Weit lag das Teilnehmerfeld bei Kap
Arkona bereits auseinander, kaum vorstellbar, dass es alle bis zum Dunkelwerden
schaffen können. Schließlich mussten vom Ziel vor Hiddensee
noch weitere 5 sm durch den Vitter und Wieker Bodden bis zum Hafen Wieck
in teilweise engem Fahrwasser überwunden werden.
Bei
den Crews einiger kleiner Yachten obsiegte die Vernunft. Sie drehten ab,
um im Hafen von Glowe abzuwettern... eine sehr vernünftige Entscheidung.
Gute Seemannschaft. 22 Yachten waren in Gruppe 1 angetreten, nur 7 davon
erreichten das Tagesziel regulär. Die anderen gaben auf, wetterten
in Glowe ab oder schafften das Zeitfenster nicht und steuerten in Nachtfahrt
durch den Bodden. Praktisch ohne Ausfälle erreichte Gruppe 3 (Hanse
371 und 370) das Tagesziel. In der Gesamtbilanz dieses Tages sind es 26
Yachten, die das Tagesziel nicht regulär schafften, leider gehören
zur Tagesbilanz auch weitere Rigg- und Segelschäden. Am härtesten
hat es die Hanse 411 "Chavera" mit dem Verlust des Mastes getroffen.
Hat
diese Material- und Nervenschlacht noch etwas mit Vernunft zu tun? Die
Frage soll offen bleiben. Es war sicher für viele auch eine gute
Gelegenheit, ihre eigenen Grenzen und die Grenzen des Materials zu testen.
Wann macht man das schon? Den "Profis" hat das bestimmt Spaß
bereitet, aber viele Crews waren sicher überfordert. Die entstandenen
Materialschäden sprechen für sich. Sie sind eher den überforderten
Crews geschuldet, als Materialschwächen der Yachten. Im Gegenteil,
die Yachten haben sich ausgezeichnet bewährt. Für ein Abenteuer,
wie die ersten beiden Wettfahrten, sollte man sich sehr genau überlegen,
welches Boot man besteigt. Selbst mit einer kleinen und "alten"
Hanse 291 ist man auf der sicheren Seite, wenn man sie richtig segelt.
So hat die Hanse 291 "Sonntag" mit Frank Pehnke die zweite Tagesetappe
pünktlich, mit herausragender Zeit und ohne Schäden beendet.
Der
Hafen Wiek und das abendliche Büfett waren wohltuende Überraschungen.
Ein freundlicher und gut organisierter Hafenmeister kümmerte sich,
dass alle einlaufenden Schiffe auch noch bei Dunkelheit einen sicheren
Platz fanden. Nach Sonnenuntergang und im geschützten Bodden fühlte
sich Rasmus schon wesentlich zahmer an. Die Windanzeige brachte es nur
noch selten auf über 20 Knoten. Bei einem exzellenten Abendbüfett
konnte der Tag ausklingen. Die Wetterprognose für die nächsten
beiden Tage tat ihr übriges: S bis SW 3 bis 4, abnehmend 3, Temperaturen
bis 25 °C. Endlich richtiges Segeln. Verblüffend umso mehr die
Idee der Regattaleitung, wegen der Strapazen der letzten beiden Tage einen
Ruhetag einzulegen und am nächsten Tag individuell nach Stralsund
zu verholen. Der Protest war deutlich genug, am nächsten Tag startete
Wettfahrt 3 wie geplant vor Hiddensee mit Tagesziel Stralsund. Im Gellenstrom
ankerte das Zielschiff. 56 Schiffe waren noch dabei, leider auch die Spuren
der Materialschlacht... beim Setzen des Groß unter Windstärke
2 verlor die Hanse 315 "Arielle" den Mast.
Eine
Wettfahrt bei bestem Segelwetter und das alljährlich exzellente Büfett
im Restaurant "Fisherman's" ließen die Schrecken von Tag
eins und zwei rasch vergessen... so schlimm war es doch eigentlich gar
nicht. Die Tagesauswertung sorgte für Frust und Freude. Die Rangliste
wirbelte durcheinander. Wenngleich eindeutig vorgeschrieben, haben einige
sehr erfolgreiche Yachten die Tonne "Gellen" verpasst. Das hat
beste Platzierungen gekostet. Schade, insbesondere für die Hanse
370 "Relax", Hanse 400 "Hale Bopp" und Hanse 291 "Sonntag".
Das
Beste stand uns noch bevor: bei herrlichem Spätsommerwetter und Windstärke
2 bis 3 um Süd eine Wettfahrt von Stralsund durch Strelasund und
Greifswalder Bodden nach Wieck/Greifswald. 8.20 Uhr Brückenzug, 58
Yachten am Start, 10 Uhr Start der ersten Gruppe. Um die zahlreichen Grundberührungen
wie im vergangenen Jahr zu vermeiden, hat die Regattaleitung das Runden
diverser Tonnen vorgeschrieben. Pünktlich und sicher schafften auch
die Letzten des Regattafeldes den Brückenzug der Klappbrücke
Wieck/Greifswald um 15 Uhr.
Gegen
18 Uhr Siegerehrung auf dem Gelände der HanseYachts AG. Angesichts
des großen Teilnehmerfeldes und der Pokalvielfalt wurden leider
auch Grenzen der Regattaauswertung erreicht. Nicht alle Geehrten konnten
ihren Ruhm behalten und mussten sich später der korrigierten Auswertung
beugen. Pokalirritation. Pokaltauschen. Schade für die Sieger, die
nicht geehrt wurden. Nach zwölf Jahren HANSE CUP sollte das eigentlich
nicht passieren. Trotzdem allen Siegern herzlichen Glückwunsch. Nach
korrigiertem Stand sind dies:
Wanderpokal
des Oberbürgermeisters der Universitäts- und Hansestadt Greifswald
für den ersten Platz nach berechneter Zeit und Punktesystem
Hanse 370 "Champus" mit Steuermann Burkard Kadow
Wanderpokal
der Hanseyachts AG für den ersten Platz nach Summe der berechneten
Zeit
Hanse 370 "Champus" mit Steuermann Burkard Kadow
Wanderpokal
der Hanse (Deutschland) Vertriebs GmbH & Co. KG für den ersten
Platz nach schnellster gesegelter Zeit
Hanse 470 "Inspiration" mit Steuermann Bernd Rados
Wanderpokal
von Yacht-Charter-Ostsee für die schnellste Charteyacht
Hanse 400 "Nana" mit Steuermann Walter Wecker
Seit
dem 11. HANSE CUP erfolgt für die letzte Wettfahrt keine Tagesauswertung
mehr. Eigentlich schade. Auch die Tagespokale sind hoch begehrt. Wenn
eine Crew bei der letzten Wettfahrt bestplatziert ist, sonst aber keine
vorderen Plätze erreichten konnte, bleibt sie gänzlich unerwähnt.
Vielleicht lässt sich das beim 13. HANSE CUP ändern. Wenigstens
an dieser Stelle sollen deshalb die Tagessieger der letzen Wettfahrt genannt
werden: Hanse 291 "Sonntag" mit Frank Pehnke, Hanse 331 Gannet"
mit Dirk Menzel, Hanse 370 "Relax" mit Dietmar Wendel, Hanse
400 "High Energy" mit Herbert Kasperschinsky, Hanse 470 "Apple
Pie" mit Rainer Söllner.
Wir
haben sportlich faires Segeln unter schwierigen Bedingungen erlebt. Fair
auch im Hinblick auf die Verwendung der Segel. Nur die Hanse 331 "Gannet"
war diesmal noch mit viel Tuch unterwegs, was trotz Yardstickbestrafung
an den letzten beiden Tagen extreme Vorteile gegenüber den anderen
Hanse 331 brachte. Eine um 16 Minuten kürzere gesegelte Zeit gegenüber
der zweitbesten Hanse 331 "Charline" ist anders nicht erklärbar.
Umso erfreulicher, dass sich alle anderen der Herausforderung mit Hanse-Standardbeseglung
gestellt haben: Großsegel und Selbstwendefock. Spitzensegler wie
Dietmar Wendel und Burkhard Kadow sind zwar immer vorn, aber mit Selbstwendefock
wenigstens in hoffnungsvoller Sichtweite.
Trotz
aller kritischen Anmerkungen wissen natürlich alle Crews, welche
Herausforderung die Organisation einer so großen Regatta mit unterschiedlichen
Tageszielen bedeutet. Insbesondere unter den Bedingungen des diesjährigen
Cups. Dafür vollen Respekt der Regattaleitung und herzlichen Dank
an die Organisatoren und Sponsoren.
Rund
Rügen ist ein Problem. Saßnitz ist suboptimal, aber als Tagesziel
notwendig. Häfen auf Hiddensee sind zu klein oder für die größeren
Schiffe nicht erreichbar. Der Schlag von Saßnitz nach Wiek/Rügen
ist bei Wind gegenan für die kleineren Schiffe zu weit...Was passiert,
wenn im nächsten Jahr 90 oder 100 Schiffe teilnehmen wollen?
Diskussionen
darüber gab es zahlreiche: Das erste Tagesziel im Greifswalder Bodden,
etwa Gager. Dann nach Glowe, von dort über Wiek/Rügen und Stralsund
zurück nach Greifswald. Klingt gut. Und wenn sich die Wetterbedingungen
des diesjährigen Cups wiederholen?
Muss
es wirklich rund Rügen sein? Die logistischen Zwänge dürfen
die Seemannschaft nicht dominieren. Der HANSE CUP hat sich vom ursprünglichen
"Flotillensegeln mit Zeitbewertung" zu einer richtigen Regatta
gemausert. Gäbe es dafür nicht auch von Greifswald aus und im
Bodden interessante Tagesstrecken? Viele Ideen gilt es bis zum nächsten
Cup zu bewerten. Wir sind schon sehr gespannt und freuen uns auf den 13.
HANSE CUP 2010.
Der
Hanse (Deutschland) Vertriebs GmbH & Co. KG mit Karsten Baas an der
Spitze und seiner gesamten Crew herzlichen Dank für den spannenden
12. HANSE CUP. Möge der HANSE CUP stets dazu beitragen, seine Auftragsbücher
zu füllen. Hochachtung dem geplagten "Tonnenleger" Michael
Einfeldt, ohne dessen Engagement vieles nicht gegangen wäre. Respekt
der Regattaleitung für die mutigen Entscheidungen und die professionelle
Durchführung. Vielen Dank auch der Crew des Begleit- und Zielschiffes
"Sayonara" mit Jürgen und Gisela.
Allen
Crews herzlichen Dank für die gute Seemannschaft und das faire Segeln.
Schade, dass es schon wieder vorbei ist...
Ergebnisse:
Gruppe
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Gruppe
2 (pdf-download, 330 KB)
Gruppe
3 (pdf-download, 491 KB)
Gruppe
4 (pdf-download, 489 KB)
Gruppe
5 (pdf-download, 215 KB)
Gesamtwertung
gesegelte Zeit nach Punktsystem (pdf-download 1,4MB)
Gesamtwertung
berechnete Zeit nach Punktsystem (pdf-download 1,5 MB)
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